Mit der Solarbank 4 Pro schraubt Anker Solix die Speicherkapazität seiner Balkonkraftwerk-Systeme noch einmal deutlich nach oben – und stellt damit fast schon die Systemfrage: Bleibt das noch ein Balkonkraftwerk, oder beginnt hier bereits die eigene kleine Solaranlage? Ich habe die Solarbank 4 Pro samt Erweiterungsakku und Solarpanelen mehrere Wochen im Alltag betrieben.

Die Anker Solix Solarbank 4 Pro ist ein Stromspeicher mit integriertem Wechselrichter, der sich mit Solarpanelen kombinieren lässt und überschüssigen Solarstrom speichert, statt ihn ungenutzt verpuffen zu lassen. Damit richtet sie sich an alle, die eine Photovoltaik-Steckerlösung für Balkon, Terrasse oder Garten betreiben und den selbst erzeugten Strom möglichst weitgehend selbst verbrauchen wollen, statt ihn kostenlos ins Netz einzuspeisen.
Gegenüber der Solarbank 3 Pro hat sich vor allem die Speicherkapazität deutlich vergrößert: Statt 2,68 Kilowattstunden fasst die Solarbank 4 Pro im Grundgerät nun 5 Kilowattstunden. Auch die maximale Solareingangsleistung ist von 3.600 Watt auf 5.000 Watt gestiegen, die Notstromleistung von 1.200 Watt auf 2.500 Watt. Die Ladezyklen wurden von 6.000 auf 10.000 erhöht, was Anker Solix mit einer kalkulierten Lebensdauer von rund 15 Jahren bei täglicher Nutzung angibt. Auch bei der Erweiterbarkeit legt die neue Generation zu: Ließ sich die Solarbank 3 Pro auf maximal 16,12 Kilowattstunden ausbauen, kommt die Solarbank 4 Pro mit Erweiterungsakkus auf bis zu 30 Kilowattstunden pro Turm.
Preislich ruft Anker Solix für die Solarbank 4 Pro aktuell 1.699 Euro auf, im Set mit dem BP5000 Erweiterungsakku werden 2.898 Euro fällig – jeweils ohne Solarmodule.
Die Technik
Im Inneren der Solarbank 4 Pro steckt eine LFP-Batterie (Lithium-Eisenphosphat) mit einer Grundkapazität von rund 5 Kilowattstunden. Vier unabhängige MPPT-Tracker übernehmen die Solareingänge und verarbeiten jeweils bis zu 1.250 Watt, in Summe ergibt das eine maximale Solareingangsleistung von 5.000 Watt. Bis zu zwölf Solarmodule lassen sich damit anschließen. Der integrierte, bidirektionale Wechselrichter liefert am Notstromausgang bis zu 2.500 Watt und schaltet angeschlossene Verbraucher im Falle eines Stromausfalls innerhalb von 10 Millisekunden auf Notstrom um.
Bei der Einspeisung ins Hausnetz unterscheidet Anker Solix zwei Varianten: Über einen gewöhnlichen Schuko-Stecker sind maximal 800 Watt Einspeiseleistung erlaubt, was dem gesetzlichen Rahmen für Balkonkraftwerke in Deutschland entspricht. Wird die Solarbank 4 Pro stattdessen über einen Wieland-Stecker angeschlossen und von einer Elektrofachkraft entsprechend angemeldet, lässt sich die Einspeiseleistung auf bis zu 2.500 Watt anheben. Anker Solix bewirbt diese Variante als „PluginPower 2.0″ und hat sie vom TÜV Rheinland prüfen lassen. Bemerkenswert ist zudem, dass sich Netzeinspeisung und Notstromausgang gleichzeitig nutzen lassen: Kombiniert man die vollen 2.500 Watt aus dem Wieland-Anschluss mit den 2.500 Watt aus dem Off-Grid-Port, kommt die Solarbank 4 Pro in Summe auf bis zu 3.600 Watt Ausgangsleistung.
Als Batteriezellen kommen LFP-Zellen im Automotive-Format mit 314 Amperestunden zum Einsatz. Ein Energieoptimierer erlaubt dabei eine vollständige Entladetiefe von 100 Prozent, sodass sich die nutzbare Speicherkapazität voll ausschöpfen lässt. Ausgelegt ist das System auf zwei vollständige Lade- und Entladezyklen pro Tag, um sowohl die morgendliche als auch die abendliche Verbrauchsspitze abzudecken.
Wer bereits eine ältere Solarbank besitzt, kann die neuen Erweiterungsakkus BP5000 auch mit dem eigenen Bestand kombinieren: Die Solarbank 4 Pro ist abwärtskompatibel zu den älteren Modulen BP1600 und BP2700. Beim Kombinieren unterschiedlicher Akkutypen ist allerdings eine bestimmte Stapelreihenfolge einzuhalten – von unten nach oben BP1600, BP2700, BP5000 und ganz oben die Solarbank selbst –, da sich sonst die Ladeleistung des Hauptgeräts verringert.
Beim Thema Sicherheit setzt Anker Solix auf ein mehrstufiges Schutzkonzept: Neben der IP66-Zertifizierung, die Staub- und Strahlwasserschutz gewährleistet, sorgen unter anderem keramikbeschichtete Separatoren, eine Wärmedämmung zwischen den Zellen sowie ein Batteriemanagementsystem mit durchgehender Überwachung dafür, dass sich Kurzschlüsse oder eine thermische Kettenreaktion zwischen den Modulen möglichst gar nicht erst entwickeln.
An der Front informiert weiterhin ein LED-Streifen über den aktuellen Betriebsmodus, neu hinzugekommen ist ein Segmentdisplay, das Ladezustand sowie ein- und ausgehende Leistung auch ganz ohne App auf einen Blick zeigt.





Einrichtung
Sowohl die Anker Solix Solarbank 4 Pro als auch der Anker Solix BP5000 Erweiterungsakku sind schwere Geräte: Die Solarbank 4 Pro bringt rund 50 Kilogramm auf die Waage, der BP5000 kommt auf etwa 42 Kilogramm. Beim Aufbau ist es daher ratsam, zu zweit zu sein. Dank einer guten Anleitung geht der Aufbau trotzdem leicht von der Hand. Die Solarbank 4 Pro wird dabei einfach auf den BP5000 Erweiterungsakku aufgesetzt.
Die Verbindungsstecker sind gut geschützt in die Gehäuse integriert. Das gilt vor allem für die Solarbank 4 Pro: Hier ist der Schutz verschraubt, was die Gefahr eines Verlusts beim Einzeleinsatz – etwa wenn das Gerät verschoben wird – deutlich minimiert.
Der Anschluss ans Stromnetz erfolgt über Schuko- oder Wieland-Stecker, wobei sich ein separat abgesicherter Anschluss empfiehlt, den eine Elektrofachkraft legt. Das Anschlusskabel ist erfreulich dick und stabil geraten, eine deutliche Verbesserung gegenüber den ersten Anker-Solix-Generationen. Ist der Stromanschluss hergestellt, startet die Solarbank 4 Pro direkt und befindet sich im Verbindungsmodus – beim Start der Anker-App wird sie sofort gefunden.
Die Einrichtung wird von einem sehr informativen Assistenten begleitet. Neben dem eigenen Smart Meter unterstützt Anker Solix inzwischen auch Smart Meter von Shelly, was ich im Test direkt erfolgreich ausprobiert habe. Zum Abschluss der Einrichtung führt die App eine Systemüberprüfung durch.




Betrieb
In der Anker-App stehen mehrere Betriebsmodi zur Wahl. Im Selbstverbrauchsmodus – der ein Smart Meter voraussetzt – passt die Solarbank die Ausgangsleistung automatisch an den Hausverbrauch an, überschüssiger Solarstrom wandert in den Akku. Wer lieber selbst plant, greift auf den benutzerdefinierten Modus zurück und legt einen Wochenplan fest, nach dem die Solarbank Verbraucher versorgt und speichert. Für Haushalte mit variablen Stromtarifen gibt es zusätzlich den Time-of-Use-Modus, in dem sich feste Zeitfenster für das gezielte Laden oder Entladen des Speichers definieren lassen, etwa passend zu Hoch- und Niedrigtarifen. Über einen Smart-Plug-Modus lässt sich außerdem der Verbrauch einzelner Geräte an einer Smart-Steckdose in Echtzeit überwachen und regeln.
Die App selbst dient als Schaltzentrale für das gesamte System: Sie zeigt den Energiefluss live an, erlaubt den Wechsel zwischen den Betriebsmodi, das Anpassen der Einspeiseleistung und liefert Verlaufsdiagramme über Tag, Woche, Monat und Jahr.




Praxis
Die App bietet einen übersichtlichen Überblick über den Energiefluss: Sie zeigt Solarleistung, Batteriestand, Hausverbrauch sowie die aktuelle Einspeise- beziehungsweise Bezugsleistung an. Tippt man einen dieser Werte an, öffnen sich detailliertere Informationen – etwa die Leistung der einzelnen Solarmodule beziehungsweise MPPT-Tracker, der Ladeverlauf des Akkus oder historische Verbrauchsdaten.
Ich betreibe die Solarbank gesetzeskonform mit einer maximalen Ausgangsleistung von 800 Watt und mit vier Solarmodulen. Im Betrieb mit einem Zusatzakku reichen vier Solarmodule allerdings nicht aus, um den zusätzlichen Batteriespeicher zuverlässig zu laden. Wer den BP5000 sinnvoll nutzen will, sollte hier aufrüsten und beispielsweise die doppelte Anzahl an Modulen installieren. Sehr praktisch ist die Meldung der App, sobald der Batteriespeicher auf das Minimum von 10 Prozent gesunken ist.
Die Solarbank 4 Pro verrichtete über die letzten Wochen zuverlässig ihren Dienst. So richtig Spaß macht sie vor allem dann, wenn mehr als vier Solarmodule zum Einsatz kommen. Wenn dann mal 2.000 Watt Spitzenleistung und mehr an Solareingangsleistung anliegen, kommt man einer herkömmlichen Solaranlage schon deutlich näher.
Gerade im Sommer, bei Betrieb einer Klimaanlage, ist ein Batteriespeicher von 5 Kilowattstunden schnell aufgebraucht – aber genau da beginnt der eigentliche Reiz der Solarbank 4 Pro. Wer den Platz dafür hat, kommt schnell auf die Idee, die maximale Solareingangsleistung von 5.000 Watt nach und nach auszureizen. Und wer dann richtig Blut geleckt hat, kann den Schritt zu einer waschechten Solaranlage mit dem Power Dock gehen. Dieses muss zwar von einer Elektrofachkraft installiert werden, ermöglicht dafür aber den Anschluss von bis zu vier Solarbank-4-Türmen und damit eine maximale Solareingangsleistung von 20 Kilowatt sowie eine Gesamtspeicherkapazität von bis zu 120 Kilowattstunden. Zum Testzeitpunkt ist die Kompatibilität zum Power Dock allerdings noch nicht ab Werk aktiv, sondern soll erst über ein kommendes Firmware-Update freigeschaltet werden. Das entspricht im Kern einer klassischen Solaranlage – mit dem Unterschied, dass man sie sich Stück für Stück selbst aufbauen kann.
Für den Ausbau über vier Module hinaus habe ich im Test auf bifaziale Solarmodule gesetzt, aufgeständert auf einem Garagendach. Diese Kombination hat sich sehr gut geschlagen: Die beidseitig aktiven Zellen der bifazialen Module fangen zusätzlich das vom Dach reflektierte Licht ein, der Ständer wiederum erlaubt eine freie Wahl des Neigungswinkels und damit eine deutlich bessere Ausrichtung zur Sonne als bei flach aufgelegten Modulen. Gerade auf Garagen- oder Carportdächern, wo ohnehin Fläche ungenutzt bleibt, ist das eine naheliegende und wirkungsvolle Lösung, um die Solarbank 4 Pro und den BP5000 auch tatsächlich auszulasten.
Empfehlung
Mit dem Erweiterungsakku geht die Solarbank 4 Pro schon weit über eine gewöhnliche Balkonsolaranlage hinaus. Da sich der Zusatzakku mit nur vier Solarmodulen aber nicht sinnvoll füllen lässt, empfiehlt sich der Einsatz des BP5000 eigentlich nur in Kombination mit einer größeren Modulanzahl. Wer dafür noch Fläche übrig hat, sollte sich an meinem Testaufbau orientieren: Bifaziale Module auf einem Ständer, etwa auf dem Garagendach, haben sich bei mir als wirkungsvolle und unkomplizierte Lösung erwiesen, um zusätzliche Solarleistung zu erschließen, ohne gleich eine feste Dachanlage installieren zu müssen. Genau die Ausbaumöglichkeiten, die sich jederzeit auch nachträglich nutzen lassen, machen aber den Charme des Systems aus: Man fängt klein an und baut nach und nach aus, bis man im Extremfall bei einer klassischen, großen Solaranlage angekommen ist. Bei knapp 1.700 Euro für das Grundgerät beziehungsweise rund 2.900 Euro im Set mit Erweiterungsakku bewegt sich die Solarbank 4 Pro preislich spürbar über den Einstiegsmodellen am Markt – wer allerdings die Ausbaumöglichkeiten tatsächlich nutzt, bekommt dafür auch ein System, das mit klassischen Solaranlagen mithalten kann. Die Hardware ist das eine – da mich aber auch die Steuerung über die App im Test über mehrere Wochen überzeugt hat, ist die Solarbank 4 Pro meine Empfehlung für Hausbesitzer mit Ambitionen.
Fazit
Die Anker Solix Solarbank 4 Pro erhöht Speicherkapazität, Solareingangs- und Notstromleistung gegenüber der Vorgängergeneration spürbar. Aufbau und Einrichtung gelingen dank guter Anleitung und App-Assistent unkompliziert, im Alltag arbeitete das System über die Testwochen zuverlässig. Erst im Zusammenspiel mit zusätzlichen Solarmodulen und dem Erweiterungsakku zeigt sich das volle Potenzial des Systems.
Pro und Kontra
Pro
- Deutlich mehr Speicherkapazität und Solareingangsleistung als die Vorgängergeneration
- Modularer Ausbau von der Einzel-Solarbank bis zur Solaranlage mit Power Dock möglich
- Unkomplizierter Aufbau dank guter Anleitung und informativem App-Assistenten
- Unterstützung von Smart Metern verschiedener Hersteller, etwa Shelly
- Übersichtliche App mit detaillierten Einblicken in den Energiefluss
- Guter Mehrertrag mit aufgeständerten, bifazialen Modulen, etwa auf dem Garagendach
- Abwärtskompatibel zu älteren Erweiterungsakkus wie BP1600 und BP2700
Kontra
- Solarbank 4 Pro und BP5000 sind schwer, Aufbau nur zu zweit empfehlenswert
- Vier Solarmodule reichen nicht aus, um den Erweiterungsakku sinnvoll zu laden
- Volle Einspeiseleistung von 2.500 Watt nur mit Wieland-Anschluss durch eine Elektrofachkraft
- Power-Dock-Kompatibilität zum Testzeitpunkt noch nicht freigeschaltet, sondern erst per Firmware-Update angekündigt

