Ein Türschloss, das sich per Blick oder Handbewegung öffnet, klingt nach Science-Fiction – SwitchBot macht daraus mit dem Smart Lock Ultra und dem neuen Keypad Vision Pro Alltag. Ob die Technik im Alltag wirklich so mühelos funktioniert, wie es sich anhört, habe ich mehrere Wochen lang getestet.
Smarte Türschlösser gehören inzwischen zu den beliebtesten Nachrüstlösungen im Smart Home, weil sie sich ohne Eingriff in die Türsubstanz montieren lassen und trotzdem spürbaren Komfort bringen: kein Kramen nach dem Schlüssel, flexible Zugänge für Familie oder Gäste, und ein Blick in die App genügt, um zu wissen, ob abgeschlossen ist. Mit dem Smart Lock Ultra und dem neuen Keypad Vision Pro geht SwitchBot einen Schritt weiter. Während das Schloss selbst eine Weiterentwicklung des bekannten Lock Pro ist, sorgt vor allem das Keypad Vision Pro für Aufsehen: Es erkennt neben dem Gesicht erstmals auch die Handfläche per Venenstruktur und soll damit eine der bequemsten und zugleich sichersten Entriegelungsmethoden am Markt bieten.






Technik und Ausstattung
Das Smart Lock Ultra wird von innen auf den vorhandenen Schließzylinder gesetzt und dreht per Motor entweder den eingesteckten Schlüssel oder einen mitgelieferten Adapter für den Knaufzylinder. Im Vergleich zum Vorgänger Lock Pro fällt das neue Gehäuse aus einer Magnesium-Aluminium-Legierung auf, das rund 50 Prozent schlanker ausfällt und dank eines magnetischen Schnellverschlusses sowie eines umlaufenden Rings ganz ohne Spalt zum Türblatt montiert wird. Bei Abmessungen von etwa 122 mal 62,6 mal 66,8 Millimetern bringt das Schloss rund 370 Gramm auf die Waage. Für ungewöhnliche Zylinderformen bietet SwitchBot optional ein Adapter-Kit an, mit dem sich laut Hersteller etwa 99 Prozent aller europäischen Schließzylinder abdecken lassen. Ein LED-Ring zeigt den Status des Schlosses an, der Antrieb selbst arbeitet angenehm leise.
Der eigentliche Star ist jedoch das Keypad Vision Pro. Es baut auf dem bekannten Keypad Vision auf, das bereits Gesichtserkennung, Fingerabdruck, NFC und PIN-Code beherrschte, und ergänzt das Ganze um eine Handvenenerkennung: Statt der Oberfläche der Hand erfasst eine Infrarotkamera mit 940-Nanometer-Licht die darunterliegende Venenstruktur, die als deutlich schwerer zu fälschen gilt als ein reiner Handflächenabdruck. Für die Gesichtserkennung setzt SwitchBot auf 3D-Strukturlicht mit über 30.000 Infrarotpunkten, was auch bei völliger Dunkelheit funktionieren soll. Gegenüber dem regulären Keypad Vision entsperrt die Pro-Variante spürbar schneller, laut Hersteller in rund 0,3 statt 0,6 Sekunden. Alle biometrischen Daten – Gesicht, Handvene und Fingerabdruck – bleiben dabei ausschließlich lokal auf dem Keypad gespeichert, eine Cloud-Anbindung gibt es nicht. Das Gehäuse ist nach Schutzklasse IP65 wetterfest und damit für die Montage im Außenbereich geeignet.
Insgesamt stehen dem Nutzerkreis damit bis zu 18 verschiedene Entriegelungsmöglichkeiten zur Verfügung, von Gesicht, Handvene, Fingerabdruck und PIN-Code über NFC-Karte und App bis zu Sprachassistenten und Apple Watch. Ergänzt wird das System um praktische Extras: eine Notentriegelung für den Fall der Fälle, ein Zugriffsprotokoll, das jede Ver- und Entriegelung dokumentiert, Kompatibilität mit einer SwitchBot-Videotürklingel, Fernzugriff über die App, einstellbare Drehgeschwindigkeit sowie ein NFC-Modus und ein Nachtmodus für zeitlich eingeschränkte Zugänge. Neben dem Hauptakku im Schloss gibt es zudem einen separaten Notfallakku, der den Betrieb auch bei niedrigem Ladestand des Hauptakkus sicherstellt und dank dem das Smart Lock Ultra laut Hersteller sogar bei Temperaturen von bis zu minus 40 Grad Celsius zuverlässig arbeiten soll. Die Akkulaufzeit des Hauptakkus gibt SwitchBot mit rund neun Monaten an. Das Keypad Vision Pro selbst lässt sich über einen USB-C-Anschluss aufladen, was den Betrieb im Alltag unkompliziert macht – im Zweifel reicht dafür auch eine handelsübliche Powerbank. Für die Einbindung in Matter wird ein Hub benötigt – im getesteten Set liegt dafür ein Hub Mini bei, der auch einzeln vergleichsweise günstig zu haben ist und die Anbindung an Apple Home, Alexa und Google Home ermöglicht.





Meine Erfahrung
Die Montage geht erstaunlich einfach von der Hand: Schloss auf den vorhandenen Zylinder aufsetzen, mit dem passenden Adapter fixieren, fertig – ohne Bohren oder sonstige Eingriffe in die Tür. Auch das Keypad Vision Pro habe ich schnell an der Wand befestigt, es sitzt anschließend bemerkenswert fest auf seiner Halterung. Wer es unbefugt entfernen möchte, kommt ohne Werkzeug nicht weit, und ein Manipulationskontakt löst zusätzlich Alarm aus, sollte es doch jemand versuchen. Das erschwert Diebstahl spürbar.
Im Alltag ist das Keypad tatsächlich das Highlight des gesamten Systems. Ob per Gesicht, Handfläche, Fingerabdruck oder Code – die Tür öffnet sich zuverlässig und angenehm schnell. Wer die Gesichtserkennung nutzen möchte, sollte allerdings auf die richtige Montagehöhe achten: SwitchBot empfiehlt eine Anbringung zwischen 1,20 und 2,00 Metern, damit die Erkennung im optimalen Abstand von 60 bis 90 Zentimetern zuverlässig greift. Sehr praktisch im Alltag: Das Keypad Vision Pro spricht mich aktiv an und gibt Anweisungen, etwa wenn der Abstand zur Gesichtserkennung nicht stimmt oder wenn die Tür erfolgreich entriegelt wurde. Das nimmt Unsicherheit aus der Bedienung und macht das System auch für weniger technikaffine Haushaltsmitglieder zugänglich.
Nicht ganz rund läuft dagegen die automatische Türöffnung beim Herannahen, die SwitchBot noch als Beta-Funktion kennzeichnet. In meinem Test hat sie bislang nicht zuverlässig funktioniert – hier sollte SwitchBot in den kommenden Firmware-Updates nachbessern.




Empfehlung
Das SwitchBot Smart Lock Ultra mit Keypad Vision Pro hat mich über die gesamte Testzeit hinweg überzeugt. Der Antrieb arbeitet angenehm leise, sodass das Auf- und Zusperren im Alltag kaum auffällt. Das eigentliche Highlight bleibt aber das Keypad Vision Pro: Es hat nicht nur mich, sondern auch meinen Sohn begeistert, der die Gesichtserkennung am liebsten mehrmals täglich ausprobiert hat. Genau diese Vielzahl an Entsperrmethoden – Gesicht, Handvene, Fingerabdruck, Code, NFC, App und mehr – macht das System so alltagstauglich, weil sich jedes Familienmitglied die für sich passende Methode aussuchen kann.
Auch preislich macht SwitchBot vieles richtig: Für rund 250 Euro gibt es das Set bereits inklusive Hub für die Matter-Anbindung und dem Keypad Vision Pro, was angesichts des Funktionsumfangs ein faires Angebot ist. Kleine Design-Details wie die mitgelieferten Holzdekore sorgen zudem dafür, dass sich das Schloss optisch an die eigene Tür anpassen lässt, statt wie ein reines Technikbauteil zu wirken. In Kauf nehmen muss man dafür die vergleichsweise große Bauform des Schlosses, die auf manchen Türen deutlicher auffällt als kompaktere Alternativen.




Fazit
SwitchBot macht mit dem Smart Lock Ultra vieles richtig: ein leiser Antrieb, eine durchdachte Abdeckung für einen möglichen Spalt an der Tür und vor allem das gelungene Keypad Vision Pro. Mit Gesicht, Handvene, Fingerabdruck oder Code bietet es gleich vier bequeme Wege, die eigene Tür zu öffnen. Einzig die automatische Türöffnung braucht noch Reifezeit, bevor sie im Alltag verlässlich funktioniert.
Pro:
- Einfache Montage ohne Bohren, dank Adapter-Kit breite Zylinder-Kompatibilität
- Keypad Vision Pro mit vier komfortablen Entsperrmethoden: Gesicht, Handvene, Fingerabdruck, Code
- Keypad lässt sich ohne Werkzeug nicht demontieren, zusätzlicher Manipulationsalarm
- Sprachausgabe des Keypads erleichtert die Bedienung im Alltag
- Biometrische Daten bleiben lokal gespeichert, keine Cloud-Anbindung
- Leiser Antrieb
- Akkulaufzeit von rund neun Monaten, USB-C-Ladeanschluss am Keypad
- Notfallakku ermöglicht Betrieb auch bei bis zu minus 40 Grad Celsius
- Faires Setpreis von rund 250 Euro inklusive Matter-Hub und Keypad Vision Pro
- Holzdekore für individuelle Optik
Kontra:
- Automatische Türöffnung noch im Beta-Status und im Test nicht zuverlässig
- Große Bauform des Schlosses
- Für Matter-Einbindung zusätzlicher Hub nötig (im Set aber bereits enthalten)

